Philosophie des Shunyata


Betrachtet man die Philosophie des Shunyata genau, so wird man erkennen, daß darin nichts Neues zu finden ist. Es ist eine weitere holistische Erklärung für die Vorgänge in der Welt, also eine Ganzheitslehre. Darüberhinaus ist es monistisch, wenn es von der Nichtexistenz als der Sache, die für alles, was scheinbar ist, zuständig ist.

Wir sehen im Zen-Buddhismus und im Taoismus, daß Fragen, die das Sein und das Wesen der Dinge betreffen, gnadenlos abgekanzelt werden. Die Metaphysik im Zen und Tao ist eine Anti-Metaphysik, mehr noch: sie lebt jenseits von Metaphysik.  Nihilismus ist für den Shunyata-Monismus freilich eine völlig unpassende Beschreibung, denn Nihilismus ist eben ein Stadium, das vor einer Erkenntnis wie jener des Shunyata liegt.

Erinnern wir uns an Nietzsches drei Verwandlungen: Man werde zum Kamel, zum Löwe, zum Kinde. Der Nihilismus ist die Verwerfung aller Normen und das Abstreiten jeder Bestimmung des Menschen. Der Nihilismus ist das Löwe-Sein. Ein bloßes Rebellieren allerdings ist immer noch eine Abhängigkeit von Normen. Es muss der Mensch zum Kind sich wandeln, also Erkenntnis erlangen, die frei ist und unbeschwert. Das ist mit dem Nihilismus nicht zu vereinbaren.

Und dort wartet das Shunyata auf uns. Doch wieso nenne ich es monistisch? Wieso ist das keine von seiner Struktur her neue Auffassung? Es ist so:

Die Erklärung aller Dinge durch ein Prinzip findet auch in religiösen Strömungen und Philosophien des Westens statt. Am Ende jeder Religion, jeder Metaphysik steht das Unbegreifliche, die Kausalität, die allumfassende Natur, das Pleroma, die Substanz, Gott, der Zufall, das Sein, das Nichts.

Aber all diesen ist gemeinsam, daß dies die einzige feste Größe ihres Systems ist: Das Nichts ist Alles, nichts steht ihm entgegen. Es ist die einzige Substanz, und alles was man sieht, sind nur Abbilder und Spiegelungen in verschiedenen Formen.

Indische Philosophie scheint so tief und mystisch, unverbraucht und rein. Aber das letzte, der Urgrund, nach dem alle Philosophie strebt, ist der selbe. Es sind nur die Namen verschieden. Es ist darum gut, wenn man durch eine Philosophie die offensichtlichen Analogien zu den anderen System zu erkennen beginnt – darum ist es egal, ob man vom Gnostizismus, Vedanta, Zen oder Substanzlehre allgemein ausgeht.

Ich empfehle, das erste Kapitel vom Johannes-Evangelium zu lesen, man wirst überrascht sein, wie sehr es doch Ähnlichkeiten zu den wirklich beständigen Systemen aufweist.

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Korinther 13:12

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