Philosophie eine Wissenschaft?


Kurz gesagt: Die Philosophie kann nur eine Wissenschaft sein, wenn sie eine Wissenschaft des Trivialen ist.

Eine Wissenschaft des Trivialen, ein Oxymoron. Wissen, das jedem zugänglich ist, kann nicht Teil einer Wissenschaft sein, da Wissenschaften per se ihre eigene Struktur und Terminologie pflegen, soll heißen: Philosophie als Wissenschaft des Trivialen ist keine Wissenschaft, da die Wissenschaft des Trivialen nicht Wissenschaft genannt werden kann.

Trivialisiertes Wissen, das einer Wissenschaft entstammt, ist allgegenwärtig, aber selbst nicht mehr Teil einer Wissenschaft, sondern nur noch ein entfernter und verfälschter Verweis auf das betreffliche Fachgebiet.

Anderherum heißt das, daß die Reflexion die über das Triviale in eine Wissenschaft, also eine stringente Gliederung der Erkenntnis münden würde, kein Ziel hat:

Die Wissenschaft des Trivialen ist also letztlich gleichwertig mit der Aussage, daß Philosophie kein Wissenschaft sei.

>Die Philosophie kann nur eine Wissenschaft sein, wenn sie eine Wissenschaft des Trivialen ist.

Die Philosophie ist nicht so weit Wissenschaft wie jede andere. Sie hat keinen begrenzten Gegenstandbereich, sie ist überbordend und entgrenzend. Sie hat auch kein begrenztes Methodenarsenal, kein begrenztes Begriffsvokabular, keinen festgelegten Stil, keine Grundlagen, usw. usf. Sie wird sich sogar drin am ehesten gerecht alle Grundlagen allenthalben neu festzulegen und umzustoßen.

rotzdem sind hier gemachte Überlegungen oft der Nährboden für fundamentalen wissenschaftlichen Fortschritt oder zur Grundlegung einer neuen Wissenschaftlichen Disziplin, die auf eine andere Art zu denken beruht. Es sei nicht behauptet, dass gute Wissenschaft nur, oder auch nur zur Hälfte aus guten Philosophen oder besonders kreativen oder revolutionären Menschen mit solcherlei gearteten Ideen besteht. Wissenschaft ist zu 5% zündende Idee, zu 40% harte Arbeit und zu 54% reines Glück. Diese Grundlagen werden natürlich nicht einfach negiert, sondern aufgehoben in einem dreifachen Sinne: Aufhebung im Sinne von i. erstmal Negation und Amnesie ii. dann Archivierung und Bewahrung und schließlich iii. im Sinne von Erhebung und Aufwertung. Die philosophischen Grundlagen werden in der Wissenschaft eingeschlossen und eingepflegt und gelten fortan als wissenschaftlich in dieser Disziplin. Trivialerweise sind sie wie alle Axiome gesetzt und haben nicht mehr Grundlage als sich selbst und ihre hergeleitete Plausibilität. Auch besteht die Überzeugung, die Philosophie als eine Metawissenschaft in das Organon der Wissenschaften eingliedern zu können – Philosophie als Leim. Die Philosophie kann nämlich nicht Nicht-Wissenschaft sein, denn dann wäre sie nicht mehr als Kunst oder Religion. Kunst ist sie nicht, da sie nicht einer möglichen und genauso gearteten Definition von Kunst entspricht: Dasjenige ist Kunst, was offensichtlich sinnlos ist. Wenn es Philosophie gibt, dann geht sie zumindest so, sich nicht den Anschein einer offenkundigen Sinnlosigkeit zu geben. Religion ist sie nicht, da sie ihre Grundsätze stetig neu legt, keine dezidiert gemeinschaftsbildende Funktion besitzt und da der Glaube und eine Liturgie keine Rollen spielt. Was Religion ausmacht ist zum großen Teil auch Tradition. Philosophie ist, wenn es sie wirklich gibt, gegen jegliche Tradition gerichtet. Zu weiteren ausdifferenzierten Funktionssystemen scheint sie wohl nicht näher verwandt.

Des Weiteren: Die Philosophie ist nicht trivial, denn wäre sie das, dann würde das alltägliche Leben zur Philosophie werden und damit alles was unser Dasein ausmacht. Wäre sie trivial, dann wäre Philosophie offensichtlich. So behandelt die Philosophie nicht-triviale Sachverhalte, die Menschen im alltäglichen Bezug zumeist nicht nachvollziehen können.

Darüber hinaus: Die Philosophie zeichnet sich trotzdem darin aus Trivialtäten, die sie behandelt, zum Gegenstand zu haben. So ist es das schwerste Unterfangen, das Offensichtliche zu formulieren und darzustellen, da es sich nicht davon unterscheidet, was so schon ist. Wie die weiße Farbe auf einer weißen Leinwand kann man bestimmte philosophische Probleme nicht wahrnehmen, wenn man sich bspw. nur auf die herkömmlichen Methoden zur Betrachtung eines Gemäldes verlässt. Die Philosophie ist genauso wenig trivial, wie der Text, der einen Widerspruch zum Thema hat pauschal widersprüchlich ist. Trotzdem hat sie die Trivialität zu Gegenstand, was auch immer sie damit schließlich anstellt.

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Über politbueroblog

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