Profilierungsdrang


Die Denker haben genauso Abnabelungsprozesse zu durchleben wie es mit jedem Menschen geschieht, so war es mit Aristoteles, der seine Lehre gegen die seines Lehrers gestellt hat: spätpubertärer Geltungsdrang. Kontrahenz zu einer vorhandenen Lehre auszusprechen hat für die eigene Lehre nur eine Folge: sie wird von ihrem Gegner, ihrem selbsterklärten Gegenpol bedingungslos abhängig.

Darüberhinaus sehen wir eine Armee von Denkern, die meinen, sie hätten das Denken neu erfunden und definiert, oft läuft es dann, karikiert dargestellt, aber so ab:

Berater: Herr, wir sollten unsere Feinde mit Brandpfeilen beschießen!

König: Schwachsinn! Ich habe eine viel bessere Idee! Beschießen wir unsere Feinde mit Brandpfeilen!

So läuft es erstaunlich oft ab: es wird ein Werk gelesen, ein Text verinnerlicht, dann aber nimmt man die Auffassung, die man über das Werk gewonnen hat und stellt es zu sich in Gegenposition, es wird zu oft nicht abgewägt, daß, was der Gegner sagt, keine solch frappierende polare Position zu der eigenen Einstellung bildet, da der Schein der Worte darüber hinweg täuscht.

Nehmen wir nur den Deutschen Idealismus als Beispiel:

Schelling, Fichte und Hegel gelten als Dreigestirn des Deutschen Idealismus, ihre Schriften sind nahezu undurchdringliche Werke, aber was sind sie wirklich? Sie leben durch die Substanzlehre, den Glaube an die Alleinheit des Seins, schon bei Bruno, Spinoza, Meister Eckhart, Plotin und vielen anderen mehr oder weniger klar umrissene Kernlehre der Philosophie.

Dieser Philosophen behaupteten nie, eine neue Philosophie begründet zu haben, es ist lediglich die Lehre, die auch ohne Worte den Menschen erreichen kann.

Aber was passiert? Durch den holprigen halsbrecherischen und lebensfeindlichen Stil Immanuel Kants wurden der Einsicht fähige Köpfe wie Schelling und Hegel in ihrer Gradlinigkeit gedämpft, so wirken sie undurchdringlich und verworren, dabei prägt der Immanenzglaube (zu dem Transzendenz lediglich der innere Motor ist) ihr gesamtes Werk, daß allerdings durch das Erbe Kants schwer zugänglich und verworren scheint.

Diese Philosophen haben wenige oder nur schwache neue Begriffe geschaffen, im besten Falle (wie in der Freiheitsschrift oder der Vorrede zur Phänomenologie des Geistes) haben sie ‚Spinozas‘ Lehre poetisch illustriert, aber es ist NIRGENDS nur etwas Neues entstanden.

Auch Nietzsche, der als so radikal und unerbittlich sowie innovativ charakterisiert wurde, bewegte sich im Fahrwasser der Substanzlehre, allein seine Form trug cholerische und überbordende Züge, da er wie Spinoza und Christus das Welt als vollkommene Sache seiner selbst verstand und es als einen unerbittlichen Kampf mit sich selbst annahm. Seine Arbeiten zeugen von Kämpfergeist.

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Eine Antwort zu Profilierungsdrang

  1. neochorone schreibt:

    Einen sehr spannenden und informativen Artikel hast du da skizziert.
    Ohne Zweifel eine erfrischende Art der Informationsdarlegung.

    Philosophische Weltbilder wurden prägnant gegenüber gestellt, in Relation
    zueinander gesetzt, und doch konnte keines das jeweils andere in den Schatten stellen,
    da ganz einfach auf die menschliche Begrenztheit hingewiesen wurde.

    Wir können in der Philosophie objektiv nur falsch liegen, weil sich jedwede
    Theorie auf Modelle stützt, die primär auf empirischen Errungenschaften basieren.

    Empfehlenswerter Artikel.

    Grüße von neosophia.

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