Philosphie Studenten


Wenn man einmal das vergnügen hatte mit Philosophiestudentin ein paar Bier zu kippen fällt hauptsächlich auf, dass ihr Studium aus Bücherstudien und Hausarbeiten besteht. Sie argumentieren sich gegenseitig mit Zitaten Tod und werden aktiv an eigenen Ideen gehemmt( durch studiumsfersagen bei eigener Meinung). Wenn ich so in die Geschichte der Philosophie schaue, sind hauptsächlich die Leute berühmt geworden die eigene Theorien gelöst von anderen Entwickelt haben. Wie kann also ein solches Studium zu einen Philosophen führen?

Mit wievielen Philosophiestudentinnen/studenten ist mir in ihren Gesprächen schon ihre bloß reproduzierende/rezitierende Geisteshaltung aufgefallen, darunter waren auch viele, die die Philosophen „lernen“, also es wie ein Konvolut an Fakten auffassen, wie es in jedem anderen Studiengang auch größtenteils die Methode zu einem siegreichen Studium ist.

Deine Frage ist: wie kann also ein solches Studium dazu führen, Philosoph zu werden? Ich denke, ich habe dich richtig verstanden.

Wofür studiert man? Die meisten würden sagen, für ihren Abschluß, und weil sie das Wissensgebiet interessiert. Aber ein Studium der Philosophie eröffnet nur (im besten Falle) einen Weg, dich für eine Betrachtung der Welt zu sensibilisieren. Es bringt dich noch nicht dazu, zu irgendetwas zu werden, ganz besonders nicht, wenn man die Universität wie eine Schule versteht, bei der man immer noch glaubt, nur nach Scheinen zu lechzen, denn damit stellt man seine eigenen, ursprünglich freien Gedanken, wieder ganz unter eine Führung durch die Autorität und das ist tatsächlich, wie OP anführt, Gift für eine eigene Philosophie.

Ja wozu denn eine eigene Philosophie? Und wozu überhaupt Philosoph sein? Das ist kein Berufsbild, sondern mehr ein spöttisches Schimpfwort. Und es weckt Assoziationen an solche verranzten versifften Gesichtsmofas wie Hegel und Sartre :3 – kurz gesagt, worin liegt die Attraktivität, Philosoph zu sein?

Ersetzen wir den Namen Philosoph durch die Formulierung „ein Mensch, den die Welt etwas angeht“. Ein Philosoph stellt Fragen, die können absurd und anstößig sein – worum es geht: Wen die Welt etwas angeht, der erkennt sich selbst darin und will durch Zweifel und Fragen zu einer Erhabenheit kommen. Philosophie studieren kann dazu führen, aber ist vollkommen entbehrlich: die bedeutendsten ‚Denker‘ waren keine fleißigen frenetischen Leser, Nietzsche oder Gottfried Benn haben sehr nachdrücklich behauptet, daß zuviel Lesen dumm macht, und wenn wenn dumm sein den Wegfall der Kreativität zukosten der Gelehrsamkeit bedeutet, ja, dann stimmt es.

Darüberhinaus führen die wirklich bedeutenden Denkansätze IMMER über Philosophie hinaus (da Philosophie selbst ja nichts ist, ist das alles andere als schwer: Philosophie ist keine Wissenschaft, Philosophie ist keine Lehre; Teile davon können Wissenschaft sein, wie Logik, aber diese funktioniert auch ohne Philosophie).

Was ist Philosophie? Gilles Deleuze meint, Philosophie, also das, was der Philosophie exklusiv zukommt, das ist die Erfindung von Begriffen. Und eine bedeutende Philosophie ist soziohistorisch mit durchsetzungsfähigen Begriffen begabt, die überzeugen können durch ihre Plakativität, soll heißen, durch ihre Form: der Wille zur Macht, ein kraftvoller Begriff Nietzsches, nicht ganz ohne Mißverständnisse, aber mit erheblichem Wiedererkennungswert.

Philosophie bedeutet also nicht notwendigerweise, 3000 Jahre Geistesgeschichte zu rekapitulieren. In der Philosophie geht es darum, begreiflich, begrifflich zu machen, was das Selbst fassen kann, damit es ein Teil von dir Welt, damit die Welt, die dich etwas angeht, mehr und mehr in dich eingeht, so daß der scheinbare Unterschied zwischen innen und außen verschwindet.

Falsch Martin, wenn die Philosophie eine Wissenschaft sein sollte, dann ist sie die Wissenschaft des Trivialen. Aber ich finde es interessant, dass Du genau die Fehler machst, die >3200 den Philosophen im Allgemeinen vorwirft, nämlich mit Zitaten und Verweisen um sich zu werfen. Nichtsdestotrotz oder gerade deshalb:

In der Philosophie geht es darum, begreiflich, begrifflich zu machen, was das Selbst fassen kann, damit es ein Teil von dir Welt, damit die Welt, die dich etwas angeht, mehr und mehr in dich eingeht, so daß der scheinbare Unterschied zwischen innen und außen verschwindet.

Was Du hier am Ende darstellst, was das Anliegen der Philosophie sein soll, ist nur das was von Platon bis Heidegger durchgehend und auch wiederum darüber hinaus, traditionell als Philosophie gedacht/gemacht wurde: Nämlich Einverleibung des Anderem im Selben, die ewige Selbstbezüglich und Rückkehr ins Selbe unter Maßgabe der Autonomie. Autonomie nicht nur im Sinne der Selbstgesetzgebung, sondern auch im Sinne der Selbstbegriffsgebung, wie Du es beschreibst. Dabei geht das eine Hand in Hand mit dem anderen, denn mit Begriffen wird begriffen und getrennt und unterschieden, denn nur was solcherlei gefasst wird, kann auch als etwas so und so geartetes wahr-genommen werden und gilt dann auch als wahr oder falsch – und danach wird schließlich geurteilt. Das Problem bei solch einem Vorgehen ist, dass man letztendliche in der Welt nur das herausziehen kann und wiederfindet, was man vorher schon hinein gelegt hat. Es geht daher nicht um Begriffe, bzw. ist das nicht das vornehmliche Anliegen der Philosophie, denn wäre es das, würde auch die Wahrheit einzig und allein von Begriffe und nur von diesen abhängig sein und was in der Welt der Fall ist. Der Konnex zwischen atomaren Aussagen in der der Welt aber, ist allein schon schwierig genug und kaum zu meistern. Auch würde dann die Wahrheit nur vom Begreifen abhängig sein und das ist nicht plausibel, bzw. spiegelt nicht unser alltägliches Erleben wieder. Insofern als dass es darauf nicht ankommt: Um einen Lichtschalter zu bedienen, macht man sich normalerweise keine Gedanken darüber, wie dieser auf physikalischer Ebene funktioniert, sondern der Konnex zwischen Licht und Schalter, bzw. Schalten ist sehr grob und direkt. Genauso stellt sich im Straßenverkehr kein Mensch die Frage, ob ich er sich darin in seiner Wahrnehmung geirrt hat oder getäuscht, dass die Ampel nun auf Grün geschaltet hat, da er es doch ganz klar wahr-nimmt. Die meisten Menschen überqueren die Straße dann sogar auch ohne sich um möglicherweise anfahrende Autos Sorgen zu machen. Unser alltäglicher Vollzug kommt ganz gut ohne Begriffe aus. Hierin scheidet sich nämlich die theoretische von der praktischen Philosophie. Erstere kommt in ihrem Wahrheitsvollzug ganz gut ohne die Welt und nur mit Begriffen aus, ist dann aber auch von ihr geschieden; Zweitere kommt auch ganz gut ohne klar dezidierte Begriffe aus und ist nur in der Welt zuhause, und sogar stärker: klar definierte Begriffe und Systeme scheitern im Bereich der reinen praktischen Philosophie, d.h. sind nicht trivial anwendbar. Oder um es noch genauer zu sagen: Wäre solcherlei anwendbar, dann wäre das Ethische nicht mehr ethisch, sondern einfaches Kalkül und einfache Ökonomie. Will man also bspw. eine verantwortliche Entscheidung treffen, dann muss diese Entscheidung aller Regel und allem Kalkulieren fremd bleiben, denn sonst ist diese Entscheidung nicht verantwortlich, sondern nach einer Regel und nach einem Kalkül, d.h. wenn wir den Begriff ‚verantwortlichen Entscheidung‘ so ernst nehmen, wie er definiert wurde, dann muss dieser Begriff in unserem Vollzug mit seiner Definition brechen, um wirklich seine Definition zu erfüllen. Dieses Spiel muss man mit jedem ethischen Begriff spielen, sonst wäre er nicht ethische. Daher kann die praktische Philososphie, welche – neben der theoretischen Philosophie – teil des gesamte Gebildes dessen ist, was wir normalerweise Philosophie nennen, nicht Begriffsarbeit sein, so plastisch und plakativ diese/das auch erscheinen/-t – höchstens ist sie eine Arbeit mit Paradxoien, Aporien oder Widersprüchlichkeiten, die es zu zerlegen gilt, bis zu dem Punkt ihrer Unzugänglichkeit, des vollkommen Anderen, jenseits unseres Denkens. Dabei gilt auch nicht das Primat einer Ontologie, sondern das Primat des Ethischen.

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Über politbueroblog

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