Die wahre Bibel


Welche Bibel ist nun eigentlich die echte Bibel, die wahre, originale, richtige? Viele Christen sind sich dessen gar nicht bewusst, aber es gibt jede Menge Versionen dieses Klassikers. Die „ursprüngliche Lutherübersetzung“ hat jedenfalls Fehler. Gängige Übersetzungen sind sicherlich nicht eklatant falsch. Weiterlesen

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Kausalität und Zeit


Ist es aus wissenschaftlicher Sicht legitim, Kausalität mit Zeit gleichzusetzen?

Ich habe gerade große Schwierigkeiten das Konzept „Zeit“ dingfest zu machen – irgendwie habe ich das Gefühl, es entgeht mir ein wichtiger Aspekt (könnte auch daran liegen, dass ich heute außer eine Zigarette noch nichts zu mir genommen habe), aber ich bin sicher, wenn wir die Brenngläser unseres Geistes gemeinsam auf dieses Problem richten, wird es nicht lange standhalten können.

Also, was ist Eure Definition von Zeit?

Physisch würde ich „Zeit“ mit „Bewegungsgeschwindigkeit in der Physik“ gleichsetzen:
In einem „gefrorenen“ Universum, in dem es keine Bewegung gibt, kann man auch keine Zeit definieren. Zeit setzt immer einen Referenzpunkt, der sich ändert voraus:
Der Mond, der nach X Minuten Y Meter zurücklegt, das Eisen, an dem sich Rost bildet (Elektronenbewegung)

Kausalität bedeutet, dass (Zeitlich) eine Reaktion nicht vor der Aktion erfolgt. Ich denke daher, dass es schwer ist, ohne den Begriff „Zeit“, den Begriff „Kausalität“ zu definieren. Oder anders: wie würdest du den Begriff eines „nicht-kausalen“ Systems definieren ohne den Begriff „Zeit“?

Nicht-kausale Systeme sind ja aber nur ein Gedankenspiel. Wenn es wirklich nötig ist, ein solches Gedankenspiel heranzuziehen, um den Unterschied zwischen Zeit und Kausalität klarzumachen, scheint mir das ein deutlicher Hinweis darauf zu sein, dass es diesen Unterschied in kausalen Systemen (aka der Realität™) eben nicht gibt.

Zeit ist Veränderung. Keine Veränderung, keine Zeit.
Doch was viel interessanter ist, ist die Frage wie Veränderung passiert. Ist es alles im Fluß ohne abgrenzbare Zustände oder ist es eine Abfolge von diskriminierten Punkten wie z.B. den Quantensprüngen. Wieso verändert sich die Welt und wie lange tut sie das noch?

Folgendes Gedankenexperiment: In einem unendlichen Raum gibt es nur einen Steinbrocken: Du könntest nicht sagen ob er sich bewegt und auch keine Zeit definieren.
Nun gibt es einen zweiten Brocken, der sich vom ersten weg bewegt und es gibt keinerlei Interaktion zwischen ihnen (keine Gravitation). Jetzt kannst du Zeit definieren. Zum Beispiel „Eine Zeiteinheit ist, wenn die Entfernung der Brocken sich um X erhöht“.
Wie könntest du in dem System, in dem Zeit existiert, die Kausalität definieren?
Kausalität setzt immer eine Interaktion voraus, Zeit nicht.

 

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Negatives Recht und positives Recht


Ich gehe von einer negativen Rechtsdefinition aus, weil die positive widersprüchlich ist. D.h. es gibt nur das Recht, von anderen NICHT getötet, bestohlen, bedroht, usw. zu werden. Es gibt aber kein Recht auf Arbeit, Sicherheit, Essen, Leben, usw. Diese Rechte durchzusetzen würde bedeuten, die Rechte anderer Menschen zu verletzen. Denn für deine Sicherheit, dein Essen und deine Arbeit muss jemand anders gezwungen werden. Wäre es anders, würde er es ja freiwillig machen.

D.h. es gibt nur das Recht, von anderen NICHT getötet, bestohlen, bedroht, usw. zu werden. Es gibt aber kein Recht auf Arbeit, Sicherheit, Essen, Leben, usw. Diese Rechte durchzusetzen würde bedeuten, die Rechte anderer Menschen zu verletzen. Denn für deine Sicherheit, dein Essen und deine Arbeit muss jemand anders gezwungen werden. Wäre es anders, würde er es ja freiwillig machen.

Kommilitonen widersprechen dem:  Recht ist weder positiv noch negativ. Warum würde das Recht eines erniedrigten und verstossenen verhungernden kindes auf sein broetchen anders sein als das der Königin Marie Antoinette auf „ihre“ Torten? Eine elektrische Ladung kann negativ oder positiv sein, Recht aber ist entweder da oder nicht.

Ich sage: Man muss nicht unbedingt Rousseau, Locke, Hobbes oder Macchiavelli gelesen haben, einen Begriff von Staatsphiloshie und Kontraktualismus haben, um die Wirklichkeit von positivem und negativem Recht einzusehen. Positiv/negativ ist freilich nicht zu verstehen als psychisch erbaulich/psychisch abträglich. Ein positives Recht bietet etwas dar, ein negatives verbietet etwas.

Das ist die Theorie. Aber wie sieht das positive Recht in der Praxis aus? Positives Recht wäre, wenn jeder Mensch das gleiche bekommt (impliziert ein Geben). Negatives Recht ist, wenn jeder Mensch unter der selben Restriktion steht. Was also ist ökonomischer? Positives Recht anzuwenden, und jedem das gleiche zuteil werden zu lassen, ungeachtet daß er es vielleicht nicht will? Kaum. Das negative Recht ist das vorherrschende. Es bedeutet Freiheit, die durch allgemein geltende Vorschrift ermöglicht wird.

Noch ein Beispiel: Man kann leichteren Gewissens Haschisch verbieten (negatives Recht), als es, um Gleichheit zu wahren, jedem zukommen zu lassen (positives Recht). Dass negatives Recht das vorherrschende ist, verdankt es seiner Effizienz: wenn jemand etwas will, dann setzt er das durch, ohnerachtet des Rechtsbruches. Andersherum wäre es eine riesige Verschwendung, alle mit dem gleichen zu versorgen, obwohl die Interessen des Einzelnen individuell ist. Kurz: Gerechtigkeit ist Gleichheit im Verbotenen, nicht im Erlaubten.

Die Teilung in positives und negatives Recht – nenne es wie du willst – sind in nahezu jeder staatsphiloshischen Schrift impliziert. Die Frage ist: wie weit gilt das eine, wie weit gilt das andere? Ist ein positiver Rechtsbeschluß die Entsprechung zur panem et circences-Politik, also punktueller Wohlstand für alle oder ein auf Langfristigkeit angelegtes Modell wie es in einer Planwirtschaft möglich ist?

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Die Freiheit des Individuums


Ich bin fest überzeugt davon, dass das Individuum volle Freiheit genießt. Die Gesellschaft ist lediglich eine Gruppe von Individuen. Sie als eigene Entität zu betrachten ist eine Fantasie. Im Namen der Gesellschaft dem Individuum Rechte zu nehmen halte ich für Betrug und Aggression. Das würde bedeuten dass einige Individuen das Recht haben, anderen Individuen ihre Rechte zu nehmen, nur weil sie z.B. mehr sind oder gewählt sind oder arisch sind oder was auch immer.

Wenn  die Philoshie des Individuums interessiert empfiehlt : Ayn Rand „Atlas Shrugged“, Max Stirner „Der Einzige und sein Eigentum“, Pierre Joseph Proudhon, Murray N. Rothbard „For A New Liberty“. Für mich persönlich jedoch ist das  alles keine Philoshie des Individuums, sondern eher Philoshie für Egomanen.

Und nein, die Gesellschaft ist nicht nur eine Gruppe von Individuen, das würde nämlich ein  Fehlen von Verknüpfungen zwischen den einzelnen Menschen implizieren. Aber gibt es den Menschen überhaupt als Einheit? Ich kenne niemanden der für sich alleine Leben würde. Alleine kann man gar nicht glücklich sein. Natürlich gibt es Verknüpfungen zwischen den Individuen. Aber dadurch bildet sich keine magische „Gesellschaft“, es sind einfach verknüpfte Individuen.

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Ted Kaczynski: Das Manifest des Unabombers


Ich las die Schriften von Thoreau, über zivilen Ungehorsam, seine Aufzeichnungen vom Waldenteich und es gab mir tiefe Einblicke in die grundlegenden Zusammenhänge der Berührung des Einzelnen mit der Gesellschaft und was in diesem Verhältnis mit den Gütern des Lebens geschieht. Vieles aus seiner Zeit heraus, sicherlich, aber doch das meiste sehr universell und noch heute gültig.

Nun las ich vor kurzem das Manifest von Ted Kaczynski, dem Unabomber. Es ist militant, aber es ist gleichzeitig eine erstaunlich scharfe Beobachtung und Sektion unserer modernen Gesellschaft. Als ich es las wurde ich selbst überrascht. Ich tat diesen Mann jahrelang als Wirrkopf ab bis ich neulich erfuhr, dass er hochbegabter Mathematiker war und auch sein Manifest ist durchaus lesenswert.

Nur stellt sich mir eine Frage, beide Herren, sowohl HD Thoreau als auch Kaczynski schrieben ihre umfassenderen Werke über die Gesellschaft in der Abgeschiedenheit von der Zivilisation. Trotzdem überzeugen mich beide durch schlüssige Argumentationen, ich teile nicht die radikalen Forderungen des Unabomber-Manifests, halte seine Beschreibung der modernen Gesellschaft und ihrer Akteure für extrem zutreffend.

Wie hältst du das, lieber Leser, hast du Thoreau gelesen, kennst du das Manifest von Kaczynski? Sind diese Hinterwäldlerthesen für dich weltfremd und verschwörerisch, oder glaubst du, dass die Abgeschiedenheit eines Einsiedlerdaseins erst eine umfassende Analyse der menschlichen Zivilisation möglich macht?Wenn du denkst, deine Wahrheit nur finden zu können, indem du gegen etwas allgemein Anerkanntes rebellierst, tut mir das leid für dich.

Die Meinung eines Menschen über etwas ist in den meisten Fällen nicht „falsch“, sondern sehr verständlich, wenn man sich damit befasst.  Andererseits erscheint es naheliegend, dass man in der „Abgeschiedenheit eines Einsiedlerdaseins“ sich hauptsächlich mit sich selbst, und nicht mit der Welt beschäftigt. So klar und logisch einem selbst entworfene Gedankenkonstrukte erscheinen mögen, ohne Abgleich mit der Realität können sie grundfalsch sein. Ähnlich der Foltermethode, bei der einem alle Sinneswahrnehmungen entzogen werden (sensorische Deprivation): Wenn du nichts mehr siehst, riechst und hörst, und du nur noch von dir selbst umgeben bist, fängst du an zu halluzinieren. Ich glaube, ein erkannter logischer Zusammenhang oder eine Erkenntnis kann auch einfach Einbildung.

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Gesellschaft vs. Individuum


Die Gesellschaft will nichts, kann nichts und darf nichts was nicht die Individuen können, wollen und dürfen. Das Ideal ist Konsum, alle streben danach. Und die Gesellschaft der Individuen wird durch die Medien vernetzt. Die Gesellschaft hat höhere Interessen als der einzelne. Niemand würde von sich aus Essen (oder sonstiges Erwirtschaftetes) in ein Gemeinschaftslager geben oder freiwillig 10% davon abtreten. Die Gesellschaft möchte dies aber, um für evtl. erkrankende Menschen sorgen zu können, oder sich selbst auszubauen um Platz für mehr Menschen zu schaffen.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile. Und Amerika ist die einzige ernstzunehmende Macht auf dem Planeten, nicht wahr? Du brauchst nur in die Arabischen Länder zu reisen und wirst ein völlig anderes Wertesystem vorfinden. Niemand würde von sich aus Essen (oder sonstiges Erwirtschaftetes) in ein Gemeinschaftslager geben oder freiwillig 10% davon abtreten. Die Gesellschaft möchte dies aber, um für evtl. erkrankende Menschen sorgen zu können, oder sich selbst auszubauen um Platz für mehr Menschen zu schaffen. „Die Gesellschaft“ hat nicht diese Ziele. Einige Menschen in der Gesellschaft haben diese Ziele. Manche zwingen andere (über den Staat z.B. oder über die Mafia), mit zu machen. Dies halte ich für unmoralisch und ineffektiv. Leute, die Interesse an Kranken- und Altensorge haben, werden eine Lösung dafür finden.

Das gibt es auch bei Einzelnen, solange der Staat oder die Mafia es nicht verbieten, weil sie Monopole beanspruchen

Wie Frank und FettFett schon bemerkt haben: „Wenn vier Tage kein Brot in den Läden ist, stürzt die Regierung.“ — die Überlegung, Bedürftigen etwas zu geben ist mindestens die kleinere Variante dieser Idee. Armenhilfe gab es ohne Staat. Krankenpflege gab es ohne Staat. Versicherungen gab es ohne Staat. Gerichte gab es ohne Staat. Alles was der Staat tut, ist: Mit Gewalt diese Systeme unter seine Kontrolle zu bringen, um mehr von ebendieser zu haben.

Menschen sind einfach nicht perfekt. Somit ist es Fehlerhaft, einem Führer zu folgen – seht euch doch mal die Menschen ganz oben an, genau diese Scheiße kommt dabei raus, nur extremer. Ohne Führung funktioniert die Gesellschaft aber auch nicht… oder? Würden wir ohne System etwa alle ganz anders sein?

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Der real-ideale Mensch


Jeder Mensch ist real-ideal, er sieht was ist und hat in sich ein Plan davon wie es sein soll, ganz einfach ausgedrückt. Er sieht vielleicht was ist, aber durch die aktuelle Tendenz, Menschen einzutrichtern, dass sie ALLE WEGE gehen können, bin ich der Meinung, dass der Durchschnittmensch keine Beziehung mehr zu seinem persönlichen Lebensweg hat. Hätte er die, wäre er schließlich inspiriert und die meiste Zeit glücklich – was man leider nicht von allzu vielen behaupten kann. Dass die Menschheit als solches in eine Richtung strebt, ist m.E. nicht zu übersehen. Wir mögen denken, im Moment ginge es nicht weiter, aber das hat vermutlich jede Generation zuvor auch schon gedacht. Bloß leben wir in einem Zeitalter der technologischen Innovation, und sehen, dass sie sich rasant verändern wird – so wird es die Menschheit. Hier keinen Kurs und keinen Plan zu haben, könnte verheerend wirken.

Je liberaler die Gesellschaft wird (so finde ich), umso weniger werden die Menschen dazu angehalten, sich auf eine Spirituelle Suche nach sich selbst und ihrem Ideal zu begeben. Religionen sind ja schließlich alles andere als frei, und weiteres Atheistenblabla. Heutzutage hat nichts mehr eine höhere Bedeutung, da es keine eindeutige Richtung mehr gibt. Auf jeden Fall. Die Demokratie ist nur eine weitere Form der Herrschaft, und keine besonders gute. Wir müssen weg von jeglicher Herrschaft. Es gibt keine „Gesellschaft“. Es gibt nur Individuen. Insofern strebt auch die Gesellschaft nirgendwohin, es gibt höchstens ein Durchschnittsstreben in der besagten Gruppe von Individuen.

Im Gegenteil. Die Richtung in die ein Individuum streben sollte kann nur es selbst bestimmen. Jeder hat ein anderes Ziel. Würden alle Individuen sich in die gleiche Richtung bewegen, wäre damit ziemlich sicher gestellt dass der Großteil sich von seinem Ziel wegbewegt. Wenn jedes Individuum für sich auf sein Ziel zugeht, ist die durchschnittliche Annährung der „Gesellschaft“ ans Ziel größtmöglich. Unmöglich, da

1.kein gemeinsames Ziel

2.es gibt keine „fähigere“ Menschen

3.mehr Politik = mehr Verzerrung der individuellen Freiheit und damit Effizienz

Zu 2.: Es ist wirklich unmöglich, dass ein Politiker bessere Entscheidungen trifft als die Individuen selbst. Dies ist vom Ökonomen Ludwig von Mises, von Friedrich Hayek (Nobelpreis dafür bekommen) und vielen anderen beschrieben worden. Kurz: Wissensproblem, Kalkulationsproblem. Ein Politiker kann nie so viel Wissen über eine Situation erlangen, wie es die Individuen selbst könnten. Hätte er all das Wissen, wäre es zu komplex, um daraus sinnvolle Entscheidungen zu generieren. Das Kalkulationsproblem könnte man theoretisch mit unendlich schnellen Computern generieren, das Wissensproblem nur mit Hellsehen.

Man stelle sich vor, die Entscheidung, was es in Deutschland zum Abendessen gibt, solle von einem Politiker gefällt werden. Um die Entscheidung genau so gut zu treffen wie es jedes Individuum für sich würde, muss er wissen was 80 Mio. Menschen schmeckt, was sie die letzten Tage gegessen haben, ob sie das schon Leid sind und lieber was Neues probieren wollen, wieviel Geld sie momentan für Essen übrig haben, welche Ernährung sie verfolgen, ob sie Krankheiten haben die die Ernährung beeinträchtigen, welche Supermärkte in ihrer Nähe sind, welche Restaurants, wie die Preise und Verfügbarkeiten der Lebensmittel dort sind, usw. Es wäre eine Matrix die 80 Mio. x Anzahl der Faktoren die in Entscheidung Abendessen einfließen (hunderte) x alle Supermärkte und Restaurants groß wäre. Selbst wenn man davon ausgeht dass ein Supercomputer es berechnen könnte, ist es unmöglich, all diese Informationen zusammentragen. Deswegen fällen selbst die fähigsten Menschen dann Entscheidungen wie „Deutschland isst Brot mit Salami zum Abendessen“ und 89 Mio. Leute sind subtimal bedient.

So werden alle politischen Entscheidungen aber getroffen: suboptimal.

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Liberalismus und Demokratie


Liberalismus und Demokratie – vielleicht sind diese Staatsformen gerade das Ende einer Bewegung hin zu einem Ideal? Der einstige politische Enthusiasmus ist vergangen, Initiative liegt brach, Selbstbestimmung und Personenrechte werden als gegeben betrachtet. Dafür hält die Depression Einzug: Volkskrankheit, sehr lustige Bezeichnung. Es ist die Verzweiflung, sein Selbst anzunehmen. Eine Aufgabe, die sich in Industrienationen lauffeuerartig ausbreitet, denn die Lebenserhaltung ist gesichert, Unterhaltung auch allenthalben verfügbar, bleibt also nur die ewige Frage nach dem Selbst. „Our Generation has had no Great war, no Great Depression. Our war is spiritual. Our depression is our lives.“ – Chuck Palahniuk.

Wir sehen unkoordiniert und vage rassistische Tendenzen in Deutschland, Europa und den Industriestaaten aufflammen. Diese Tendenzen müssen nicht repräsentativ für ein politisches Verlangen sein, aber sie sind repräsentativ für den Verlust an Orientierung, für die totale kollektive Verirrung, die die Persönlichkeitsrechte der Demokratie und des Liberalismus der Bevölkerung gewährt haben. Mit dem Geschenk des Liberalismus ist es so, als würde man ein Kind, das vorher ständig bei allem gezetert, gemeckert und geweint hat, plötzlich alleine lassen. Es ist auf eine ernüchternde trostlose Weise frei. So geht es dem Menschen im Liberalismus.

Dabei ist nicht diese abgründige pervertierte Art von Freiheit der eigentliche Herd des Mißstands dieser Staatsform: Liberalismus kann sich einfach niemals von seiner positiven Gegenseite, dem Despotismus lösen. Liberalismus ist eine Reaktion, eine Folge einer unmoderaten Staatsführung, eine Restauration, eine Rekreation, ein Brüten, eine Zeit der Rekonvaleszenz, des Heilens – und letztlich immer der eines Status quo. Wohin? Wohin in dieser Freiheit? Westerwelles Vergleich von HartzIV-Empfängern und den schlemmenden Aristokraten und Großbürgern zu Zeit der römischen Dekadenz ist skurril, durchaus. Aber Dekadenz ist es gleichwohl. Nur eine ohne Glanz. „Die Demokratie ist die Verzweiflung darüber, keine Helden zu finden, die uns anführen können.“ – Thomas Carlyle.

 

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„Die Hierarchie ist göttlich, in der Hölle sind alle gleich.“


<h2>Sind wir mit Liberalismus und Demokratie auf einem falschen Weg?</h2>

Die Gesellschaft strebt nach einem Ideal. Somit bewegen sich auch mehr oder weniger alle Menschen auf dieses Ideal zu, einige besser als andere. Werden nun alle Menschen als gleich betrachtet, geht dieses Streben in ein Chaos über, da ein Großteil der Leute das Ideal nicht richtig verkörpern kann bzw. zu jeweils anderen Teilen lebt. So streben Kräfte in alle Richtungen, demnach ist die absolute Bewegung der Gesellschaft (d.h. deren Verbesserung) sehr klein.

Würde man das Streben der Gesellschaft richten und fähigeren Menschen mehr politischen Handlungsspielraum ermöglichen, ist der Fortschritt in Richtung des Allgemeinen Ziels stetig und timiert.

Die Gesellschaft strebt nach einem Ideal. Hm, ich finde diese Annahme sehr schwer aufrechtzuerhalten. Jeder Mensch ist real-ideal, er sieht was ist und hat in sich ein Plan davon wie es sein soll, ganz einfach ausgedrückt. Wenn nun die Gesellschaft nach einem Ideal strebt, dann ist das folgerichtig die Gesamtheit aller Ideale der einzelnen Personen das Ideal der Gesellschaft – was könnte das sein? Freiheit, Wohlstand, Leben?

Daß sich aber eine tatsächliche Bewegung oder Entwicklung zu einem Ideal vollzieht, könnte man höchstens in einem Zeitraum von Generationen behaupten, denn einzelne Menschen sind zu sehr mit ihren eigenen Wertkonflikten befasst, als daß man in einem einzelnen Fall von einem wirklichen Fortkommen sprechen kann. Darüberhinaus: das Ideal, das angestrebt wird, ist vielleicht nicht das Ideal der Gesellschaft, vielleicht nicht einmal etwas vorher Benanntes/Bekanntes/Geahntes.

 

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Kants Rolle in der Philosophie


Was berechtigt Kant zu seiner Rolle in der Philoshiegeschichte? Er gilt als der Grundstein der modernen deutschen Philoshie und hat ja grundsätzlich sehr kühn anmutende Ambitionen, die Empiriker und Rationalisten in seinem Programm nachträglich miteinander zu versöhnen, will die Metaphysik als Wissenschaft einsetzen, gibt die Grundlagen für die Bedingungen der Möglichkeit von Erfahrung bekannt, und doch – und doch bleibt Kant suspekt.

Viele andere Denker attestieren ihm, die rigoros angekündigte kernikanische Wende, die er mit der KdrV einleiten wollte, habe er selbst rückgängig gemacht durch seine Folgewerke, die Kritik der praktischen Vernunft, Kritik der Urteilskraft und Grundlegung zur Metaphysik der Sitten. Ganz böse Zungen behaupten sogar, diese kernikanische Wende habe nie stattgefunden und Kant scheitert an der Konzeption seiner Untersuchung.

Henri Bergson meinte, einem richtig formulierten Problem sei seine Lösung schon inhärent. Wenn Kant also zu seinen verschiedenen Aporien gelangt, die in ihrer effektiven Entgültigkeit einen Anflug von Skeptizismus verraten, bringt das das Programm einer kritischen Philoshie nicht kritisch höhöhö hö ins Wanken?

Wir sehen, daß Kant den Plan Descartes‘ verfolgt: Philoshie wird nun eine Sache des Selbst(bewußtseins). Während Descartes sich damit begnügte, das Selbst und das Denken als die hinreichenden Indikatoren von Existenz anzuerkennen (wobei er mögliche Zweifel schlicht ausblendete), geht Kant einen Schritt zurück und nimmt den Zweifel Descartes, den Descartes selbst für sich unter den Tisch gekehrt hat, in die Hand und interpretiert das Selbst als transzendental, also vor aller Erfahrung liegend. Das, was bei Descartes noch einen losen Untergrund hatte, wird so bei Kant festgemauert und dabei das Subjekt, das Ichempfinden, das Selbstbewußtsein als gegeben betrachtet.

Raum – Zeit – das Subjekt: sind sie nach Kants Transzendentaler Ästhetik damit Namen dreier gleichwertiger Komponenten des Transzendentalen, sind sie untereinander einer Hierarchie unterworfen oder besteht überhaupt keine direkte Relation der Begriffe untereinander, obwohl doch nach Kant alle drei Begriffe transzendental sind?

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